Immer auf's Neue ein Abenteuer: Binding annähen

Es ist ein Kreuz: nun habe ich schon so häufig Bindings angenäht - und jedes Mal frage ich mich: "Ach, wie geht denn das noch mal????"

Um dem Abhilfe zu schaffen, habe ich bei Fertigstellung meiner Platzdeckchen für Ostern die einzelnen Arbeitsschritte in einer Fotostrecke festgehalten. Und ab damit - in den Blog, damit sie immer wieder schnell aufzufinden ist.

"Was ist eigentlich ein Binding?"

werde ich oft im Atelier gefragt. Nun "Binding" ist das englische Wort für Einfassband - oft auch Schrägband genannt. Dabei handelt es sich um einen Stoffstreifen, dessen Aussenkanten nach innen gefaltet und gefalzt sind.

schraegband

 

Offene Schnittkanten, z. B. bei Tischdecken,  werden zwischen die beiden Bandhälften gelegt und festgenäht. So wird die Schnittkante vom Band  umfasst und kann nicht mehr ausfransen. 

schraeband2

Bei Quilts, die aus 3 Stofflagen bestehen, haben wir ebenfalls an allen 4 Seiten offene Schnittkanten, die mit einem Binding versäubert werden müssen. 

"Wie ermittelt man die Länge des Stoffstreifens für das Binding?"

Messt alle Seiten des Nähprojekts, das Ihr mit dem Binding versäubern wollt und rechnet ca. 50 - 60 cm für den Mehrverbrauch bei den Ecken und den Verschluss des Bindings obendrauf. 

Mein Platzdeckchen hat folgende Abmessungen: Länge: ca. 41 cm und Breite ca. 30 cm.  Der gesamte Umfang des Platzdeckchens (also alle 4 Seiten) beträgt somit 142 cm, dazu 50 cm für Ecken und Verschluss des Bindings, das macht ca. 192 cm. 

Binding für Quilts - ein Einfassband für hohe Ansprüche!

 

Patchworkdecken, die als Kuscheldecken genutzt werden, haben an den Rändern den größten Abrieb und verschleißen hier am schnellsten. Um dem vorzubeugen, wird der Stoff für die Einfassung im Gegensatz zu einer normalen Tischdecke sozusagen doppelt um die offene Schnittkante gelegt. Das bedeutet, dass der Stoffstreifen auch breiter als ein normales Schrägband (die Stoffbreite ist hier 4 cm, wenn das Schrägband auseinanderfaltet ist) sein muss. 

Hinzu kommt, dass der Quilt - im Gegensatz zu einer normalen Tischdecke - aus 3 Stoffschichten besteht: das Patchworktop, das Vlies als Zwischenlage und der Rückseitenstoff. Auch das führt dazu, dass der Stoffstreifen breiter werden muss. 

Wie breit muss dann der Stoffstreifen für das Binding sein?

In der Regel sollte der Stoffstreifen ca. 6,5 cm breit sein. 

Wie schneidet man die Stoffstreifen für das Binding zu?

Viele glauben, dass man die Stoffstreifen wie ein Schrägband zuschneiden müsste - also den Stoff im 45° Winkel zur Webkante schneiden. Für einen normalen Quilt ist das meiner Meinung nach nicht notwendig - und viel zu teuer und zeitaufwendig. Patchworkstoffe sind so weich und geschmeidig, dass man die Stoffstreifen durchaus einfach über die Stoffbreite hinweg zuschneiden kann. 

Mehrere Stoffstreifen mit einer 45° Naht verbinden. 

Für eine ausreichend lange Quilteinfassung benötigt man i.d.R. mehrere Stoffstreifen. Diese könnte man durchaus mit einer senkrechten Naht zusammennähen. Schöner sieht allerdings eine Diagonalnaht im 45 ° Winkel aus. 

Das geht so: 

Stoffstreifen, wie Bild unten rechts auf rechts zusammenlegen. Mit einem Markierstift eine Orientierungslinie von rechts unten nach links oben auf den oberen Stoff zeichnen. 

stoffstreifen_fuer_binding_verbinden_1

 Stoffe entlang der Orientierugslinie zusammennähen. 

stoffstreifen_fuer_binding_verbinden_2

Verbindungsnaht ausbügeln

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 Überstehender Stoff abschneiden. Dabei bleibt die Nahtzugabe stehen. 

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Geduldsprobe: Stoffstreifen hälftig bügeln

Das ist wirklich eine Geduldsprobe, wenn die oft mehrere Meter langen Stoffstreifen, hälftig zusammengeklappt gebügelt werden müssen. 

 stoffstreifen_fuer_binding_buegeln

 Binding mit perfekter Ecke annähen

Ein alter Lehrmeister hat mir mal gesagt: "Bedenke am Anfang wie das Ende sein wird!" Binding mit perfekten Ecken annähen ist schwierig - aber am Schluss die offenen Schnittkanten des Bindings perfekt zusammenzunähen ist, meiner Meinung nach, noch eine Nummer schwieriger. Da können schnell mal kleine Fehlerchen entstehen. Ich komme später noch mal darauf zu sprechen.

Die Enden werden nun mal da zusammengenäht, wo man mit dem Annähen des Bindings beginnt. Damit kleine Fehlerchen nicht sofort ins Auge fallen, beginne ich mit dem Binding immer da, wo man die Fehlerchen nicht sofort sieht!  Bei Quilts, die als Wandbehänge dienen sollen, eben ganz oben, bei Kuschelquilts am Fußende und bei Platzdeckchen an der unteren Schnittkante: denn da steht ja der Teller drauf! 

Fotolia_65451208_XS Vorsicht ist eben Mutter der Porzellankiste!

Somit habe ich bei meinen Platzdeckchen an der unteren Schnittkante mit dem Annähen des Bindings begonnen. 

Aber ganz egal, wo Ihr anfangt:  Ermittelt zunächst die Mitte der betreffenden Schnittkante. Fixiert mit Stecknadeln den gefalteten Stoffstreifen auf die Vorderseite des Quilt, so dass die offenen Schnittkanten von Quilt und Binding bündig aufeinander liegen. Der Stoffbruch des Bindings liegt nach innen. 

Im Abstand von ca. 16 cm von der Mitte der Schnittkante und ca. 23 cm vom Anfang des Bindings beginnt Ihr Quilt und Binding zusammen zu nähen. Das Binding steht dann also 23 cm über.

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Quilt und Binding werden nähfüßchenbreit zusammengenäht. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn der äußere Rand aus Quiltblöcke zusammengesetzt ist. So verhindert Ihr, dass Ihr Ecken der Quiltblöcke wegschneidet. 

Ihr näht bis zur ersten Ecke und stoppt ca. 0,75 cm vor der Ecke, wenn Ihr mit einer Nahtzugabe von 0,75 cm arbeitet. Wer mit einem Inchfüßchen näht, der stoppt ca. 1/4" vor der Ecke. Das Nahtende verriegeln

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Jetzt den Streifen im 45° Winkel nach oben umlegen und dann wieder zu Euch hin umklappen. Das Ergebnis sieht dann so aus: 

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Nun ganz oben an der Ecke wieder anfangen zu nähen. Dabei die Naht verriegeln. Siehe Bild unten:

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Auf diese Art und Weise das Binding rundum annähen. Wenn Ihr wieder am Anfang  angekommen seid, dann endet Ihr Eure Naht ca. 16 cm vor der Quiltmitte. 

binding_annaehen_6

Jetzt wird es kniffelig: Beide Enden des Bindings verbinden und Binding fertigstellen!

Um das Binding fertig zu stellen, müssen zunächst die Enden so gekürzt werden, dass - nachdem sie zusammengenäht sind - das Binding perfekt in die noch nicht versäuberte Lücke passt.

Legt dazu den Quilt (in meinem Falle das Platzdeckchen) mit den beiden Binding-Enden vor Euch hin, dabei liegt das rechte Binding-Ende mit seiner Schnittkante bündig auf die noch offene Schnittkante Eures Nähprojekts. Schaut auf dem Bild unten: die Stecknadel mit dem gelben Köpfchen steckt exakt in der Mitte des unteren Randes meines Platzdeckchens. Von der Mitte ausgehend messt Ihr einen Abstand, der die Breite des Stoffstreifens Eures Bindings entspricht. 

Bei mir war der Stoffstreifen 2,5" breit, darum messe ich auch 2,5" ausgehend von der Mitte und schneide das Binding genau hier ab. Ich gebe zu, das erfordert Mut JJJJJJ - muss aber sein! 

 

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 Nun legt Ihr das andere Ende genau darüber und kürzt es genau an der Mitte des Quiltrandes (siehe Bild unten).

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Nun nehmt Ihr das rechte Ende des Bindings und legt es mit der linken Seite nach unten vor Euch auf den Tisch.

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 Danach legt Ihr das linke Ende rechts auf rechts (siehe Abbildung unten) darüber. 

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Nun zeichnet Ihr eine Orientierungslinie von der Ecke "links unten" nach der Ecke "rechts oben" (siehe Abbildung unten) auf die linke Seite des linken Bindings-Ende.

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Dann beide Binding-Enden entlang der Orientierungslinie zusammennähen. 

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Dann kommt die Probe: passen die Enden zusammen? Ist nichts verdreht? Passt das Binding perfekt in die zu schließende Lücke?????

Wenn ja, dann bügelt die Naht aus und schneidet überstehenden Stoff ab (wobei die Nahtzugabe stehen bleibt) und steppt das geschlossene Binding auf die noch offene Schnittkante Eures Quilts.

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 Zum Schluß wendet Ihr den Quilt auf links und fixiert das Binding mit Stoffklammern. Wenn die Stoffklammern sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite des Quilts mit der Stoffkante des Bindings abschließen, dann bekommt Ihr ein gleichmäßig breites Binding (siehe Bild 1 - 3).

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Bild 1

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Bild 2

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Und jetzt das Binding auf der Rückseite mit einem Überwendlingsstich annähen! Viel Geduld und auch Spaß dabei!!!!! 

 

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  • wirkliche Hilfe...

    Ich bin Anfängerin mit Quilten (und seit 25 Jahren nicht mehr genäht) und habe verzweifelt eine gute, verständliche Anleitung für das Binding gesucht.... und hier gefunden :-) Ganz vielen herzlichen Dank, es war meine Rettung!