Was sind Baumwollstoffe

Baumwollstoffe sind Naturfaserstoffe, die aus der Baumwollpflanze gewonnen werden. Die Baumwollpflanze gehört zu den Malvengewächsen. Sie ist als 1-jährige Staude kultiviert und blüht daher nur einmal in ihrem Leben. Aus der Blüte entwickelt sich die Baumwollfrucht. Wenn sie reif ist, springt sie auf und es quilt Watte heraus: das sind die stark behaarten Samenkörner der Baumwollepflanze. Die Farbe der "Watte" schwankt nach Herkunftgebiet: sie kann blendend weiß (Karibik), weiß (USA), cremig (Ägypten) oder grau bis bräunlich sein (Pakistan). Heutzutage gibt es sogar schon Züchtungen in Braun, Grün und Rot.

Die weichen, aber zähen Baumwollfasern sind nicht leicht von den Samenkörnern zu trennen. Und das ist gut so. Denn für die Pflanze dienen sie als leichtes Luftbett: so kann sie der Wind aufnehmen und im Land verbreiten. Wieder auf der Erde angekommen, nimmt die Baumwollfaser Feuchtigkeit auf, so dass der Samen in dem Wattebausch keimen und anwachsen kann. 

Die Baumwolle stellt hohe Ansprüche an ihre Umwelt. Die Böden, auf denen sie wachsen, sollten feucht und das Wetter heiß sein. Zur Erntezeit darf es nicht regenen, da sich sonst die weiße Watte mit Wasser vollsaugt und verfault. So sind die wichtigsten Erzeugerländer u.a. Ägypten, USA, Turkmenistan, Indien, China, Australien, Israel und Peru.

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Gewinnung der Baumwolle

Heute wird Baumwolle in großen Monokulturen angepflanzt, wo jede Baumwollblüte nach ihrem eigenen Rythmus reift.

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Die Baumwollfelder werden mit großen, hochtechnisierten Pflückmaschinen abgeerntet, dabei werden die Sträucher mit mechanischen Spindelfingern abgezogen.  Der Einsatz dieser Pflückmaschinen knüpft an folgenden Bedingungen: Zum einen sollten die Pflanzen möglichst laubfrei und zum anderen alle Kapseln möglichst gleichmäßig ausgereift sein. Dies wird durch Einsatz von Herbiziden erreicht. Die Herbizide bewirken, dass die Blätter welken und frühzeitig abfallen und unreife Kapseln schneller ausreifen.

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Danach werden die Samenkapseln nach Samenhaaren und Samenkernen mit einer Entkörnungsmaschine getrennt. Aus den Samenkernen wird Speiseöl oder Saatgut gewonnen. Die Samenhaare werden gereinigt und die Fasern vom Faserkern getrennt. Der nicht verspinnbare Faserkern ist Ausgangsstoff für die Celluloseerzeugung und dient damit der Papierherstellung und Chemiefaserherstellung, während die langen Baumwollfasern zu Spinnfaseren weiterverarbeitet werden, aus denen dann das Baumwollgarn entsteht. 

Baumwollqualitäten

Bei der Baumwollfaser handelt es sich um flache, korkenzieherartig gewundene Fasern, die an den Rändern wulstartig erhöht sind. Je nach Sorte und Ursprungsland haben die Fasern eine unterschiedliche Länge - der sogenannten Stapellänge. Die Stapellänge ist - neben der Farbe der Baumwollfasern - ein absolutes Qualitätsmerkmal:

  1. je länger und gleichmäßiger der Stapel ist, desto leichter lässt sie sich verspinnen.
  2. je länger die Faser ist, desto feiner ist sie auch
  3. längere Fasern sind etwas glänzender als kurze

 

Ein weiteres Qualitätsmerkmal der Baumwolle ist ihre Reinheit: sie sollte wenig Rückstände von Kernen, Blütenresten, Staub und anderen Unreinheiten enthalten. Aber auch die Gleichmäßigkeit der Baumwolle ist wichtig. Je gleichmäßiger sie ist, desto besser lässt sie sich verspinnen. Die Gleichmäßigkeit wird beeinträchtigt u.a. durch Regen und Insektenbefall.

Eigenschaften von Baumwollstoffen

Aufgrund ihrer Struktur haben die Baumwollfasern und damit die Baumwollstoffe eine große Saugfähigkeit und damit eine große Fähigkeit Feuchtigkeit aufzunehmen. Die Feuchtigkeitsaufnahme liegt in unserem Klima zwischen 7 und 11 %, in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit von bis zu 21 %. Allerdings gibt die Baumwolle die Feuchtigkeit auch nur sehr schwer wieder ab. Das ist der Grund, warum Baumwollstoffe nur langsam trocknen und Baumwollkleidung beim Schwitzen am Körper kleben bleibt.

Die Baumwollfasern sollen die Samenkapseln schützen - darum haben sie nur eine geringe Elastizität und Dehnungsfähigkeit. Das führt dazu, dass Baumwollstoffe schnell knittern, nur wenig formbar sind und nur eine geringe Formbeständigkeit haben. Durch eine besondere Ausrüstung kann diesem Nachteil aber entgegen gewirkt werden. So ausgerüstete Baumwollstoffe werden dann gern für Oberhemden und Blusen verwendet.

Baumwollfasern sind aus diesem Grund darüber hinaus besonders reißfest und scheuerfest. Darum wird Baumwolle gern für Arbeitskleidung, Betttücher, Geschirrtücher und Wäsche eingesetzt, die ja oft sehr heiß gewaschen werden muss.

Baumwollfasern können keine Luft einschließen und können dadurch nur wenig Wärme halten. Darum eignen sich Baumwollstoffe besonders für luftige Sommerbekleidung. Das geringe Wärmehaltevermögen wird bei Baumwollstoffen für Winterbekleidung durch Aufrauen, Florbildung oder Maschenbildung kompensiert (siehe Jerseystoffe oder Nickistoffe aus Baumwolle).

Baumwollfasern und damit Baumwollstoffe werden leicht von Schimmelpilzen befallen. Durch Bleichen wird dieser Anfälligkeit entgegen gewirkt. 

Baumwollfasern haben eine gute Leitfähigkeit, darum laden sich Baumwollstoffe sowohl im nassen als auch im trockenen Zustand nicht elektrostatisch auf.

Pflege von Baumwollstoffen

Baumwollstoffe lassen sich grundsätzlich bis 95° mit handelsüblichen Vollwaschmitteln waschen.  Wenn sie aber gefärbt, bedruckt oder besonders ausgerüstet wurden, müssen laut mitgelieferten Waschanleitung niedrigere Temperaturen gewählt werden. Baumwollstoffe können gereinigt und im Trockner getrocknet werden (Achtung: erhöhte Einlaufgefahr).

Baumwollstoffe können bis 220° im angefeuchteten Zustand gebügelt werden. Wenn die Baumwollstoffe aber pflegeleicht ausgerüstet sind oder wenn ihnen Synthetik bei gemischt wurde, dann sollten Sie laut Pflegeanleitung eine geringere Temperatur wählen. 

Baumwollstoffe und Umwelt

Nach wie vor sind Baumwollstoffe die beliebtesten Naturfaser-Stoffe überhaupt: die Weltproduktion der Baumwollstoffe hat sich in den vergangenen 30 Jahren fast verdoppelt und bewegt sich um 20 - 27 Millionen Tonnen. Und das obwohl die Anbauflächen kaum zugenommen haben. Im Vergleich zu den Chemiefasern allerdings ist die Baumwollstoffproduktion rückläufig und nimmt nur noch 31% der gesamten Menge ein. 

Die großen Ertragssteigerungen der vergangenen Jahren läßt sich auf folgende Faktoren zurückführen:

  1. die Züchtung ertragsreicherer Sorten
  2. bessere Bewässerungsmethoden
  3. intensivere Düngung
  4. und einen hohen Einsatz an chemischen Mitteln, um die Pflanzen zu behandeln und Unkraut zu vernichten.

 

Der Chemie-Einsatz geht schon beim Saatgut los: damit das Saatgut der Baumwolle vor Bakterien- und Pilzbefall geschützt ist, wird es mit einer organischen Quecksilberverbindung gebeizt. Baumwolle wird in großen Monokulturen gepflanzt, die stark vom Schädlingsbefall gefährdet sind, dem nicht auf natürlichen Wege begegnet wird. Daher werden die Sträucher bis zur Erntezeit bis zu 25 mal gespritzt. In manchen Ländern mit hochgiftigen Chemikalien. Damit die Ernte möglichst schnell maschinell erfolgen kann, werden die Stauden durch Einsatz von Chemie künstlich entlaubt. Dieser Prozess führt gleichzeitig dazu, dass Baumwollkapseln schneller reifen. All diese Chemikalien haben nicht nur gesundheitliche Folgen bei den Menschen, die mit dem Anbau und Weiterverarbeitung der Baumwolle befasst sind, sondern belasten auch gravierend unsere Umwelt! 

Der  intensive Baumwollanbau, der wegen der klimatischen Anforderungen der Pflanzen, in heißen Ländern erfolgt, die eigentlich unter Wassermangel leiden, zieht neben der chemikalischen Umweltbelastung weitere gravierende Umfeltschäden nach sich: die Pflanzen sind sehr durstig und mögen feuchte Böden.

Wie durstig die Pflanzen sind, macht dieses Bild deutlich: "Der Anbau der Baumwolle für ein einzige Baumwoll-T-Shirt verschlingt bis zu 2000 Liter Wasser - 10 Badewannen voll".  

Darum werden die Felder intensivst künstlich bewässert und das kostbare Wasser wird in den Wasserquellen und später den Böden entzogen, die darauf hin versalzen, versteppen und verwüsten. Ein Beispiel ist der Aralsee in Zentralasien.  Mit ursprünglich rund 68.000 Quadratkilometern Ausdehnung war der Aralsee früher einer der ganz großen Binnenseen der Erde.

Heute ist er nur noch ein Bruchteil seiner selbst, da seit der Stalinarea (1929–1953) seinen Hauptzuflüssen große Wassermengen für die intensive Bewässerung der Baumwollplantagen Kasachstans und Usbekistans entnommen wurde und noch wird. Durch den geringeren Wasserzufluss sank seitdem der Wasserspiegel des Sees kontinuierlich. Heute ist er weitgehend versalzt und versandet und die Rückstände der Pestizide, werden über den Wind sogar bis in die Antarktis- dem Heimatgebiet der Pinguine - geblasen.  Dort sind sie im Blut der Pinguine nachgewiesen.  Welche Folge diese Entwicklung auf Mensch, Tier und Umwelt hat, kann im nachfolgenden Video anschaulich entnommen werden.

Baumwollstoffe aus kontrolliert biologischen Anbau

Um diesen Umweltsünden / -katastropfen zu begegnen, kommen immer mehr Baumwollstoffe aus kontrollierten biologischen Anbau auf dem Markt. Sie sind teuerer als normale Baumwollstoffe. Aber sie erfüllen folgende Bedingungen:

  • Keine synthetische Düngung
  • Kein Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide
  • Kein Einsatz gentechnisch veränderter Organismen
  • Kein Einsatz von Entlaubungsmitteln (daher Handernte)
  • Fairer Handel mit ebenso fairer Entlohnung
  • Keine Kinder- oder Zwangsarbeit

 

Welche positiven Auswirkungen diese Umstellung aber auf Umwelt, Tiere und Menschen hat, sehen sie eindrucksvoll in diesem Bericht: "Das Gerechte Hemd - Indiens Bio Baumwolle"

 

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