Patchworkstoffe oder Westfalenstoffe

Wer mein Stoffgeschäft betritt, erfreut sich gleich im Eingangsbereich an der Leichtigkeit und Farbenfreude der Westfalenstoffe.

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Oft werde ich gefragt, was Westfalenstoffe sind, wie sie sich von den anderen Stoffen, wie z. B. Patchworkstoffen unterscheiden und wann welcher Stoff eingesetzt werden sollte. Die Antwort darauf gibt dieser Blogbeitrag.

Was sind eigentlich Westfalenstoffe

Nun, Westfalenstoffe sind Baumwollstoffe, die im Gegensatz zu vielen anderen Stoffen, in Deutschland hergestellt werden. Die Westfalenstoffe haben ihren Namen von der deutschen Firma „Westfalenstoffe“, die im schönen Münster in Nordrheinwestfalen zu Hause ist.

Viele kennen Westfalenstoffe als blau-weiß karierte oder blau-weiß gestreifte Webstoffe oder als die roten / blauen Druckstoffe mit Hähnchen drauf und reagieren überrascht über die große Auswahl an Farben und Mustern.

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   Abb.: Beispile für Westfalenstoff Klassiker Hähnchen

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Abb.: Beispiele für Westfalenstoff Klassiker Streifen und Karos

Tatsächlich sind die karierten und gestreiften Webstoffe bzw. Druckstoffe mit Hähnchen die Klassiker von Westfalenstoffe – einer Firma, die sich schon seit 80 Jahren auf dem Markt behauptet ( hier der Bericht zur 80-jährigen Firmenjubiläumsfeier ). Und die Westfalenstoff Klassiker sind auch heute noch zu kaufen und ganz aktuell!

Darüber hinaus gibt es unendlich viele bunte, fröhliche Stoffe von Westfalenstoffe,  was  z. B. die Stoffe aus der Kollektion „Junge Linie“ und „Wales“ beweisen. Hier ein paar Inspirationen, die uns die Firma Westfalenstoffe zu Stoffen aus der Kollektion Wales gegeben hat.

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Westfalenstoffe – Stoffe mit nachweislich hohen Qualitätsstandards

Die Stoffe von Westfalenstoffe sind auch heute sehr erfolgreich und weltbekannt. Sie werden sogar im großen Stil nach USA und Japan exportiert! Letzteres finde ich sehr aufregend: holt doch die deutsche Patchworkgemeinde Patchworkstoffe gerade aus diesen Ländern nach Deutschland!

Der Erfolg ist nicht verwunderlich, denn die Firma Westfalenstoffe stellt hohe Anforderungen an sich und seine Produkte:

  1. Deutsche Wertarbeit – wo immer möglich: Wo immer machbar, werden die eingesetzten Materialen aus Deutschland bezogen. Die Stoffe werden in Deutschland gewebt und gefärbt.
  2. Fast alle Stoffe sind nachweislich Öko-Tex Standard 100 zertifiziert.

Vielleicht denkt Ihr jetzt: „Öko-Tex Standard ist doch normal! Alle hochwertigen Stoffe sind doch so zertifiziert“ (Was die Öko-Tex Standard Zertifizierung bedeutet, könnt Ihr hier nachlesen)

 Aber die Firma Westfalenstoffe geht noch einen Schritt weiter: Innerhalb des Öko-Tex Standards 100 gibt es 4 Produktklassen. Und Westfalenstoffe hält i.d.R. die Vorgaben der besten Produktklasse ein – die der Produktklasse I.

Wer diesen Standard nachweisen kann, erfüllt die höchsten Vorgaben und produziert Stoffe, die für Textilien und textile Spielwaren für Babys und Kleinkinder absolut unbedenklich verwendet werden dürfen. Denn gerade bei Kleinkindern ist die Haut am empfindlichsten und die Gefahr, dass die Textilien in den Mund genommen werden am höchsten.

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Westfalenstoffe sind absolut speichel- und schweißecht und können unbedenklich in den Kindermund genommen werden.  

Westfalenstoffe-Babystrampler

Wer es nicht glaubt, kann das selbst nachprüfen.

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  1. Viele Westfalenstoffe sind nicht nur nach Öko-Tex Standard 100, Produktklasse 1 zertifiziert, sondern erfüllen darüber hinaus auch die Anforderungen der EU-Spielzeugrichtlinie EN 71 Teil 3. Das ist für alle wichtig, die aus Westfalenstoffe textile Spielzeuge herstellen und verkaufen möchten. Natürlich gehören die Stoffe der Kollektion "Junge Linie" und "Capri" dazu - aber auch viele andere Stoffe. Welche Stoffe das im Einzelnen sind, könnt Ihr hier nachlesen:   http://www.westfalenstoffe.de/main.php?target=en71&userid=d44caa182851c9468167b52ff7d213e3
  2. Westfalenstoffe laufen nur wenig ein
  3. Westfalenstoffe wendet ein aufwendiges Druckverfahren an. Die Farbe haftet danach nicht auf der Stoffoberfläche, sondern dringt tief in deren Faser ein. Dadurch bleiben die Stoffe weich, sind sehr reibecht, nutzen nicht so schnell ab und bleichen nicht so schnell aus.

Stoffqualitäten der Firma Westfalenstoffe

Die Firma Westfalenstoffe führt - neben Druck- und Webstoffe – auch Jerseystoffe, Nickistoffe, Frotteestoffe, Plüsche, Leinen usw.. Schwerpunkt sind aber die Druck- und Webstoffe. Es gibt zurzeit zwischen 500 und 600 verschiedene Stoffdesigns. Und es kommen immer neue Designs hinzu.

Natürlich werden sowohl Druck- als auch Webstoffe aus Baumwollgarnen gewebt: Druckstoffe aus naturfarbenen Baumwollgarnen (sie werden später in einem gesonderten Arbeitsschritt bedruck), Webstoffe aus unterschiedlich gefärbten Baumwollgarnen.  

Es leuchtet ein, dass Webstoffe teurerer als Druckstoffe sind: Das Weben ist aufwendiger, da die richtige Fadenfarbe beim Weben an der richtigen Stelle sein muss, um ein schönes Karo oder Streifenmuster zu erhalten.

Da bei Webstoffen die Baumwollfäden richtig durchgefärbt sind - sozusagen in Farbe getränkt werden - , wird auch sehr viel mehr Farbe verbraucht. Das ist der Grund, warum bei einem Webstoff die linke Seite kaum von der rechten Stoffseite zu unterscheiden ist. Und es begründet auch, warum die Webstoffe mit einem Lichtechtheitsfaktor 6! ausgestattet sind – also wesentlich langsamer verbleichen als die Westfalenstoffe Druckstoffe (Lichtechtheitsfaktor 4).(Was die Lichtechtheitsfaktoren bedeuten, könnt Ihr hier nachlesen)

Westfalenstoffe sind Stoffe mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis

 „In Deutschland mit hohen Qualitätsstandards gefertigte Stoffe müssen doch sehr teuer sein?“  Zu dieser Vermutung kann man tatsächlich kommen!

Sind sie aber nicht! Ein Druckstoff, zwischen 145 cm und 150 cm breit, kostet im Handel zwischen 16 und 17 € pro laufenden Meter. Ein Patchworkstoff, der auch aus Baumwolle gefertigt aber nur ca. 110 cm breit ist, kostet mittlerweile mehr als 16 €  - nach oben gibt es fast keine Preisgrenzen mehr.

Dabei sind Patchworkstoffe durchweg alle in Asien gefertigt. Über ihre Qualitätsstandards habe ich bislang keine verlässliche Information gefunden!  Weder in der Literatur, noch im Internet, oder beim Hersteller oder Großhändler.

Was sind eigentlich Patchworkstoffe

Da stellt sich die Frage, warum Patchworkstoffe so besonders sind.

Fakt ist, dass auch sie zu 100 % aus Baumwolle, aber in Asien nach Vorgaben von Auftraggebern aus den USA, Australien, Dänemark, England …. produziert werden. Bei den Auftraggebern handelt sich dabei u.a. Moda, Timless Treasurse, Makower usw.

Die Auftraggeber haben aber nicht nur die Produktion der Stoffe an Drittunternehmen vergeben, sondern kaufen auch die Stoffdesigns mehr und mehr von unabhängigen Designern. Der Grund sind zum einen die Kosten, zum anderen aber auch der Druck, immer wieder neue Designs anbieten zu können:

Denn im Vergleich zu den Westfalenstoffen ist die Vielfalt der Patchworkstoffe viel, viel größer:

  • von einfachen Unistoffen mit unsagbar vielen Farbschattierungen,

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Abb.: die Farbpalette der Maywood Shadow Plays, die im deutschen Handel erhältlich ist. In den USA sind aus dieser Kollektion noch sehr viel mehr Farbschattierungen zu kaufen.

  • über klein- und großgemusterten Stoffe

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Abb.: Patchworkstoffe von Windham Fabrics

  •  bis hin zu Stoffen, die ganze Bildmotive in unterschiedlichen Stilrichtungen wiedergeben.

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Abb.: Stoffe von Makower

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Abb.: Stoffe von Elizabeth's Studio

Ich glaube, es gibt kein Motiv, dass nicht schon einmal auf einem Patchworkstoff verewigt wäre: Tiere, Blumen, Küchen- und Gartenutensilien, Gemüse, Autos, Computer, Walt Disney, Dinos, Fußball, Bauernhof ….

Während die Kollektionen von Westfalenstoffe i.d.R. über mehrere Jahre laufen, werden Patchworkstoff Kollektionen nur in kleinen Mengen produziert. Dafür aber Schlag auf Schlag. Es gibt Hersteller, die pro Monat mehrere Kollektionen auf den Markt bringen, mit jeweils 40 verschiedenen thematisch und farblich abgestimmten Stoffen!  Dahinter verbirgt sich ein immenser Aufwand! Muss doch allein für das Färben der Stoffe pro Stoff und pro Farbe ein eigenes Farbnegativ vom Muster erstellt werden, dass dann sozusagen als Stempel die Farbe auf den Stoff bringt. Danach ist der „Stempel“ nicht mehr so ohne Weiteres zu gebrauchen!

Es gibt so unendlich viele verschiedene Patchworkstoffe auf dem Markt, so dass es auf der Welt wohl kaum einen Stoff-Händler gibt, der wirklich alle Stoffe in seinem Sortiment hat.

Die Vielfältigkeit und Einzigartigkeit der Patchworkstoffe hat aber eine Crux: Nicht nur ihr hoher Preis, sondern es gilt auch das Prinzip „w – wie weg!“:  Wenn die Kollektionsstoffe ab verkauft sind, gibt es sie i.d.R. nie wieder. Wer sich also bei seinem Patchworkprojekt im Materialverbrauch verkalkuliert hat und zu spät feststellt, dass Stoffe fehlen, wird später nur schwer die fehlenden Stoffe beschaffen können.

Patchworkstoffe liegen i.d.R. nur 110 cm breit. Im Vergleich zu den Druckstoffen von Westfalenstoffe sind sie oftmals mit einem feineren Garn gewebt und damit auch viel feiner. Im Vergleich zu den Webstoffen von Westfalenstoffe sind sie sogar als filigran zu bezeichnen. Aber Patchworkstoffe sind auch nicht so robust und vor allen Dingen nicht so lichtecht (sie bleichen schneller aus) wie die Westfalenstoffe.

Sowohl Patchworkstoffe als auch Westfalenstoffe sind so verarbeitet, dass man sie durchaus gut von Hand quilten kann.

Patchworkstoffe oder Wesfalenstoffe: Für welchen Zweck ist welcher Stoff am besten geeignet?

Sowohl Patchworkstoffe als auch Westfalenstoffe können für Gardinen, Tischwäsche, Bettwäsche, textiles Spielzeug, Taschen, Patchworkdecken, Quilts, dekorative Raumausstattung, Bekleidung und für alle anderen selbstgenähte Objekte eingesetzt werden, für die Baumwollstoffe verwendet werden sollten. Daran gibt es keinen Zweifel!

Manchmal ist der Einsatzzweck für die Kaufentscheidung maßgeblich: werden die Objekte später stark beansprucht? Oder sind sie starker Sonneneinwirkung ausgesetzt? Dann sind Westfalenstoffe die bessere Wahl! Sie wirken robust und sind robust.

Besorgte Mütter oder Menschen, die selbstgenähte Kinder- und Babyspielzeuge, Krabbeldecken, Kinderbettwäsche, Kinderbekleidung usw. an Dritte verkaufen möchten, sollten ebenfalls zu Westfalenstoffe greifen:  Hier ist die Qualität der Stoffe nachweislich geprüft ist und die Stoffe können unbedenklich eingesetzt werden. 

Wer aber ganz filigrane Patchworkarbeiten nähen möchte – also Quilts aus vielen kleinsten Einzelteilen in verschiedene Farben und Mustern – hat es mit Patchworkstoffe leichter: da sie so fein sind, manche gar wie Seide, ist es viel leichter die Stoffe punktgenau zusammen zu nähen, auch wenn viele Nähte aufeinander treffen.

Patchworkstoffe und Westfalenstoffe in einem Nähprojekt kombinieren – geht das?

Grundsätzlich ja!

Aber aufgepasst! Alle Vorwaschmuffel sollten die Stoffe vor dem Zusammennähen waschen. Es besteht erhöhte Gefahr, dass die Patchworkstoffe und Westfalenstoffe unterschiedlich einlaufen.

Selbstverständlich ist auch, dass Ihr darauf achtet, die Stoffe hinsichtlich Stil, Muster und Farbe passend zusammen zu stellen. Wenn das der Fall ist, dann sieht auch eine fertige Arbeit kombiniert aus Patchworkstoffen und Westfalenstoffen toll aus.

Glaubt mir: ich habe es schon mehrmals erprobt!

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Abb.: Teddy aus Westfalenstoffe, Stoffe von Stof und Stoffe von Moda.

Was letztendlich entscheidet ist der persönliche Geschmack bezüglich Farbe und Design der Stoffe:

Wer reduzierte Designs mit skandinavischem Touch, klaren Mustern und Farben mag, wird aus den Westfalenstoffen geschmackvolle Unikate in Form von Quilts, Decken, Kuscheltiere, Bettwäsche und vieles mehr zaubern.

Wer es opulent liebt  oder Anhänger des „old english Stile“ ist, wird schneller zu  Pathworkstoffen greifen.

Das gilt auch für alle, die ein bestimmtes Bildmotiv suchen. Wie gesagt: es gibt fast kein Motiv, das nicht auf einen der vielen verschiedenen Patchworkstoffe naturgetreu oder naiv abgebildet wäre.

Manchmal macht es Spaß von einem Lager ins andere zu wechseln! Ich kann Euch nur raten: probiert es mal! Ihr werdet sehen, dass Euer Heim mit Selbstgenähtem aus Stoffen einer anderen Stilrichtung plötzlich „neugestylt“ und "frisch renoviert" wirkt.

Ich wünsche Euch viel Spaß dabei!

Eure Tanja

 

 

PS: hier noch ein paar Zusatzinformationen

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Was bedeutet Öko Tex Standard 100 Zertifizierung?

Jedes Produkt wird einzeln darauf hin untersucht, ob der Stoff

  • frei von Formaldehyd (z.B. angewendet um Stoffe knitterfrei zu machen) ist bzw. ob mögliche Schadstoffgehalte innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen.
  • der Pestizid Gehalt beim Anbau der verwendeten Baumwolle nicht höher als beim Anbau von Obst und Gemüse ist. (Siehe hierzu auch mein Bericht zum Thema Baumwolle allgemein).
  • ob Farbstoffe verwendet werden, die frei von krebserregenden oder krebsverdächtigen sowie frei von allergieauslösenden Substanzen sind und einen hautneutralen pH Wert aufweisen.
  • Und so weiter und so fort.

 

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Was bedeuten die Lichtechtheitsfaktoren

Im Rahmen des Klimawandels gewinnt die Lichtechtheit der Stoffe immer mehr an Bedeutung. Die Sonneneinstrahlung / UV Strahlung wird immer stärker und schädigt die Stoffe. Die Lichtechtheitsfaktoren beschreiben, wie die Stoffe vor Ausbleichen und Farbveränderung durch die Sonneneinwirkung geschützt sind bzw. den Schutz der Stoffe, um nicht durch die Sonne spröde und brüchig zu werden.

Die dafür verwendeten Prüfverfahren werden z.b. in der Europa-Norm DIN EN ISO 105-B02 geregelt. Das Ergebnis sind die Lichtechtheitsfaktoren in der Skala 1 - 8, Maximalwert = 8.

1 = sehr geringe Lichtechtheit
2 = geringe Lichtechtheit
3 = mäßige Lichtechtheit
4 = ziemlich gute Lichtechtheit
5 = gute Lichtechtheit
6 = sehr gute Lichtechtheit
7 = vorzügliche Lichtechtheit
8 = hervorragende Lichtechtheit

Damit Ihr Euch besser vorstellen könnt, was die Faktoren wirklich bedeuten - hier ein Beispiel:

Stoffe, denen der Lichtechtheitsfaktor 7 zugeordnet sind, können in Deutschland ein ganzes Jahr lang, ununterbrochen im Freien der Witterung und Sonneneintrahlung ausgesetzt werden, ohne dass sie sich verändern! Aber wer tut das schon? 

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